Hand mit markiertem Schmerzpunkt bei Karpaltunnelsyndrom

Vielleicht kennst du das: Wieder einmal wachst du mitten in der Nacht auf, weil deine Finger eingeschlafen sind. Deine Finger kribbeln, sie fühlen sich taub an, irgendwie so als wären sie gelähmt. Du schüttelst die Hand aus, versuchst die Finger zu bewegen — und irgendwann schläfst du dann wieder ein. Bis es beim nächsten Mal von vorne losgeht.

Das ist keine Einbildung. Das ist auch kein normales Zeichen des Alterns, das du einfach hinnehmen musst. Dein Körper sendet dir gerade ein deutliches Signal — und in diesem Artikel erkläre ich dir, was dahintersteckt, und was du dagegen tun kannst.

Was passiert da eigentlich in deiner Hand?

Im Tunnel ist es zu eng – im sogenannten Karpaltunnel. Er liegt auf der Innenseite, knapp über deinem Handgelenk, zwischen Daumenballen und Kleinfingerballen. Durch diesen engen Tunnel laufen insgesamt neun Beugesehnen und einer deiner drei Hand-Nerven: der Medianusnerv (auch Handmittelnerv oder Nervus medianus genannt).

Dieser Nerv ist quasi der Chef deiner ersten drei Finger und des halben Ringfingers (die daumenseitige Hälfte des Ringfingers). Er ist zuständig für:

  • das Gefühl (Sensibilität) in deinen ersten 3 Fingern (und dem halben Ringfinger),
  • die Kraft in deinem Daumenballen (lateinisch: M. opponens pollicis) und dafür,
  • dass die Haut an deinen ersten 3 Fingern (und dem halben Ringfinger) schwitzen kann.

Dein Nerv hat also allerhand Verantwortung. Und wenn's ihm zu eng wird, ist er genervt – und das macht sich durch eingeschlafene Finger und Schmerzen oder elektrisch ausstrahlende „Blitze" in deinen ersten 3 Fingern bemerkbar.

Wenn nun die Beugesehnen rund um den Medianusnerv im engen Karpaltunnel anschwellen — aus welchem Grund auch immer — dann wird es für deinen Nerv richtig ungemütlich. Er wird massiv eingeengt und wie eine Sanduhr zusammengedrückt. Und dann meldet er sich lautstark – meistens nachts. Und deine Finger schlafen ein.

Warum gerade nachts?

Das fragen mich meine Klientinnen sehr oft! Tagsüber bewegen wir unsere Hände ständig, der Blutfluss ist aktiv, und kleine Bewegungen entlasten den Nerv immer wieder. Nachts aber stagniert die Gewebsflüssigkeit, staut sich also, weil sich Durchblutung und Stoffwechsel verlangsamen. Dadurch schwellen die Sehnen an und drücken deinen Medianusnerv zusammen.

Und vor allem: Wir haben nachts keine Kontrolle darüber, in welcher Position wir unsere Hände im Schlaf halten. Viele Menschen schlafen mit abgeknicktem Handgelenk — entweder in starker Beugung oder in Überstreckung. Und genau das macht es für deinen ohnehin schon gereizten Medianusnerv noch enger im Karpalkanal.

Vielleicht kommt dir das bekannt vor: Du wirst wach, weil du ein starkes Kribbeln und Taubheit in den Fingern spürst und musst deine Hand fest ausschütteln. Und am nächsten Tag bist du erschöpft — weil dich deine Hand immer wieder aus dem Schlaf gerissen hat und eine Fingerkribbelparty gefeiert hat, während du um deinen kostbaren Schlaf gekommen bist.

Wer ist besonders betroffen?

Bist du viel am Computer tätig, tippst viel oder arbeitest häufig mit der Computer-Maus? Oder bist du handwerklich tätig, deine Hände sind massiv gefordert oder du arbeitest häufig mit vibrierenden Geräten? Oder vielleicht bist du gerade schwanger, in den Wechseljahren oder hast eine Schilddrüsendysfunktion?

All das kann dazu beitragen, dass die Beugesehnen im Karpaltunnel anschwellen und deinen Nerv unter Druck setzen. Hier ein kleiner Überblick möglicher Ursachen deiner Beschwerden:

  • Überlastung durch einseitige, sich wiederholende Handbewegungen
  • Hormonelle Veränderungen (Schwangerschaft, Wechseljahre, Schilddrüsenprobleme)
  • Systemische Erkrankungen wie Rheuma oder Diabetes
  • Übergewicht oder starke Gewichtszunahme
  • Verletzungen am Handgelenk (zum Beispiel nach einem Sturz)
  • Langes Arbeiten mit abgeknicktem Handgelenk — Tastatur, Maus, Smartphone
  • Längere Strecken bergab mit dem Fahrrad fahren

Die typischen Zeichen — kommen sie dir bekannt vor?

Wenn KlientInnen mit schmerzhaften Händen oder häufig eingeschlafenen Fingern zu mir in die Praxis kommen, frage ich häufig als Erstes, ob sie nachts gut schlafen können. Die meisten verneinen dies. Dieses Muster ist typisch bei Karpaltunnelsyndrom.

Typische Beschwerden beim Karpaltunnelsyndrom sind:

  • Einschlafen der Finger nachts — vor allem Daumen, Zeige- und Mittelfinger, manchmal auch die daumenseitige Hälfte des Ringfingers
  • Das Kribbeln oder Taubheitsgefühl wird durch Ausschütteln kurzfristig besser
  • Schmerzen, die vom Handgelenk auch in den Arm ausstrahlen können
  • Schwächegefühl beim Greifen — die Kaffeetasse, ein Teller oder das Trinkglas kann plötzlich aus der Hand rutschen, obwohl man es gerade noch fest im Griff hatte
  • Ein stromartiges Gefühl, das wie ein Blitz durch die Hand zischt
  • Schwierigkeiten bei feinmotorischen Herausforderungen wie kleine Knöpfe öffnen und schließen oder kleine Münzen aus der Geldtasche greifen

Erste Hilfe — was du sofort tun kannst

Ich sage meinen Klientinnen immer: Die wichtigste Maßnahme kostet dich nichts, und du kannst sie heute Nacht noch umsetzen.

Tipp 1: Handgelenk gerade halten — besonders nachts

Erinnerst du dich an den engen Tunnel von vorhin? Jedes Mal, wenn du dein Handgelenk stark beugst oder streckst, wird es für deinen Nerv noch enger. Nachts hast du keine Kontrolle darüber — aber du kannst eine einfache Lösung nutzen: die Ruhigstellung deines Handgelenks.

Das muss keine teure Therapieschiene sein. Du kannst erst einmal eine Bandage um dein Handgelenk anlegen, um eine starke Beugung und Überstreckung einzuschränken. Vielleicht kannst du dadurch bereits besser schlafen.

Tipp 2: Überbelastung vermeiden

Bei lang andauernder Belastung heißt das Zauberwort „Pausen einlegen"! Am besten die Hand nach oben halten und die Finger öffnen und schließen, damit die gestaute Gewebsflüssigkeit zurück Richtung Herz fließen kann.

Tipp 3: Massage der Unterarm-Muskulatur

Schmerz bedeutet Stress. Dadurch verkrampfen sich auch die Faszien und die Muskulatur. Eine Massage der Beuge- und Streckmuskulatur am Unterarm in Ellbogennähe bringt zusätzlich zu einer Faszien-Entspannungsbehandlung Erleichterung.

Behandlung mit Stachelball zur Aktivierung von Triggerpunkten am Unterarm

„Schluss mit eingeschlafenen Fingern"

Wenn du deine Hand selbst in die Hand nehmen willst und genau erfahren magst, welche Tätigkeiten und Maßnahmen im Alltag deinem Nerv zusätzlich schaden und welche ihm guttun, damit er sich entspannen kann — wenn du wissen möchtest, was du selbst machen kannst, um deine eingeschlafenen Finger aufzuwecken —, dann empfehle ich dir meinen Selbsthilfekurs bei Karpaltunnelsyndrom.

Denn lieber einen 50-minütigen Kurs für deine Handgesundheit kaufen, als ein Set Plastikgeschirr, weil dir plötzlich immer alles aus der Hand fällt!

Vorteile des Kurses:

  • Du kannst ihn ganz in deinem Tempo ansehen, so oft du willst
  • Du kannst die Übungen gleich mitmachen und bei Bedarf stoppen
  • Du sparst dir den Weg zur Therapie, die Anreisezeit und Wartezeit
  • Du erfährst sofort, was in deiner Hand medizinisch vor sich geht und welche Bewegungen deinem Nerv schaden
  • Du erhältst einen Bonus, mit dem du deine Hand-Schmerzen bei Karpaltunnelsyndrom wunderbar kontrollieren kannst

Wann solltest du unbedingt zum Arzt?

Ich bin eine große Verfechterin davon, Eigenverantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen — das hast du wahrscheinlich schon herausgelesen. Aber es gibt Zeichen, bei denen ich dir dringend rate, dir fachliche Hilfe zu holen! Vor allem nämlich, wenn:

  • Die Taubheit nicht nur nachts, sondern auch tagsüber dauerhaft besteht
  • Dein Daumenballen eher sehr flach aussieht — also wenn er keine Wölbung, keinen „Bauch" mehr nach außen hat
  • Du mit Daumen und Zeigefinger kein rundes O mehr formen kannst
  • Dir regelmäßig plötzlich Dinge aus der Hand fallen, die du gerade noch im Griff hattest
  • Deine Beschwerden trotz Ruhigstellung und Schonung nicht besser werden

In diesen Fällen hat dein Nerv möglicherweise schon länger Druck abbekommen und braucht mehr als Selbsthilfe. Eine Operation ist dann manchmal die richtige Entscheidung — weil sich ein Nerv, der zu lange eingeklemmt war, auch nach einer Operation (OP) nicht mehr richtig erholen kann.

Jede Operation ist die beste, die nicht gemacht werden muss. Aber eine OP zur richtigen Zeit ist besser als zu langes Zuwarten.

In meinem KTS-Selbsthilfekurs erkläre ich dir genau, wann eine Operation sinnvoll ist, welche Operationsarten es gibt, was dabei gemacht wird, welche OP-Art ich persönlich bevorzuge und warum.

Mein persönliches Fazit

Nach über 25 Jahren Handtherapie — davon 10 Jahre an der Universitätsklinik Innsbruck, wo ich die Therapieleitung innehatte und tausende Menschen nach schwersten Handverletzungen, Handerkrankungen, Handverbrennungen und Handfehlbildungen begleiten durfte — weiß ich eines ganz sicher:

Handschmerzen beschränken sich nicht nur auf einen relativ kleinen Körperteil, sondern sie wirken sich auf das GANZE Leben eines Menschen aus!

Darum ist es mir in meiner Arbeit als Ergotherapeutin immer sehr wichtig, nicht „nur die Hand", sondern dich als ganzen Menschen zu sehen, mit all den Umständen und Ursachen, die zu deinen Beschwerden geführt haben. Jeder Schmerz ist ein Schrei unseres Körpers nach Veränderung. Und dein Medianusnerv — der vielleicht gerade stinkbeleidigt ist — hat dir vielleicht schon lange versucht, durch Schmerzen zu zeigen, dass eine Veränderung dringend nötig ist! Gemeinsam können wir diesem Hinweis auf die Spur gehen. Melde dich gerne zu einer Online-1:1-Beratung, wenn du dir einen persönlichen Rat von mir holen möchtest.